Monografie

Kraft und Bewegung strahlen ihre Bilder aus und erzählen vom unerschöpflichen Mut zur Veränderung.

Kathrin André malt meist für sich, drückt ihre Empfindungen und Ideen aus und scheut sich nicht, am Wege des Entstehens auch immer wieder zu scheitern. Gerade diese Bereitschaft zu scheitern spornt sie an, lässt Neues, Einzigartiges zu.

Mit Kreide, Kohle oder Bleistift skizziert sie oft nach eigenen Fotografien auf großen sowie auch auf ganz kleinen Leinwänden, die im Sommer in Italien, im Winter im hohen Norden und dazwischen in ihrer Heimat am Tegernsee entstehen.
Die Grundierung der Leinwände besteht häufig aus kräftigen Acrylfarben – orange, gelb, pink, lila oder sogar rot, die im fertigen Bild immer wieder durchblitzen, die Objekte strahlen lassen, Tiefe geben und Verborgenes hervorheben.
Den Bildaufbau konzipiert Kathrin André meist skizzenhaft erneut mit Acrylfarbe, bevor sie sich mit der Verwendung von wasservermischbarer Ölfarbe in eine neue, weichere Welt begibt.

Es entsteht eine flexible Bildkomposition, bei der immer wieder Farbe mit Pinsel, Lappen oder Schwamm abgenommen, verändert und später wieder hinzugefügt wird.
Absicht vermischt sich mit Unvorhergesehenem, führt zur Vertiefung des Gewollten – oder zur Zerstörung eines eben noch vielversprechenden Bildes.

Dieses Wagnis ist charakteristisch für Kathrin André, die vor dem Besuch der AdBK Kolbermoor als selbstständige Innenarchitektin tätig war und sich der Hektik, den dieser Beruf mit sich brachte, mit Freude fast 20 Jahre stellte.
Letztlich folgte sie aber ihrem innersten Wunsch und widmete sich der Malerei.

Ihr bewegtes Leben reflektiert sich in ihren Bildern, in denen es keinen Stillstand gibt.
Sie zeigt Erlebtes – Höhen und Tiefen, Freude und Angst, Glück und Trauer, laut und leise.

Der Betrachter hört beinahe das vorbeirasende Taxi, das klopfende Werkzeug der Bauarbeiter, das heranrollende Skateboard. Sogar die aufeinanderliegenden Felsbrocken scheinen sich zu bewegen, lassen spüren, was die Malerin fühlt und wecken eigene Gefühle und Erinnerungen.

Wenn die Pinsel nicht mehr ausreichen, um all diese Emotionen auf die Leinwand zu bringen, malt Kathrin André mit ihren Fingern weiter, bis das, was gesehen werden will, sich zeigt.
Bewegungen werden intensiver.
Der Mann, der die Straße kreuzt, lässt sich kaum noch aufhalten.

Erklären möchte sie ihre Bilder nicht. Das erscheint ihr paradox und ist ohnehin überflüssig. Jedes einzelne strotzt vor Eigenleben, braucht nicht verstanden werden, muss nicht gefallen, sondern will erlebt werden.